Ein stimmungsvoller Tag im Zeichen der deutsch-polnischen Freundschaft

Unsere diesjährige deutsch-polnische Weihnachtsfeier fand erneut im malerischen Ostseebad Prerow statt und bot einen wunderbaren Rahmen, um die gewachsene Partnerschaft zwischen unseren Ländern zu feiern und weiter zu stärken. Rund 40 Mitglieder und Freund*innen der DPG MV kamen zusammen, um einen abwechslungsreichen und warmherzigen Adventstag miteinander zu verbringen. Der winterliche Nachmittag begann um 14 Uhr mit einer traditionellen Kaffeetafel. In gemütlicher Atmosphäre genossen die Gäste süße Leckereien und kamen miteinander ins Gespräch. Für besondere Freude sorgte der Besuch des Weihnachtsmanns bzw. der Weihnachtsfrau, der oder die kleine wie große Gäste mit Geschenken überraschte. Wer kein Lied oder Gedicht vortragen konnte, wurde mit einem sportlichen Beitrag Teil des Programms – sehr zur Unterhaltung aller Anwesenden. Nach dem Kaffeetrinken führte ein erholsamer Spaziergang zur Seemannskirche in Prerow. Dort erwartete die Gruppe um 17 Uhr ein stimmungsvolles Luciafest. Die feierliche Prozession – der traditionelle Luciatåg – mit weiß gekleideten Sängerinnen und Sängern, angeführt von einer Lucia mit Kerzenkranz, erfüllte die Kirche mit glockenhellem Gesang und warmem Kerzenschein. Diese eindrucksvolle schwedische Adventstradition, die an die Heilige Lucia von Syrakus erinnert, berührte viele Teilnehmende und schuf einen besinnlichen Moment im Vorweihnachtstrubel. Gegen 20 Uhr begann das gemeinsame Weihnachtsessen im Waldschlösschen, das in diesem Jahr durch ausgewählte polnische Speisen bereichert wurde. Serviert wurden unter anderem: Kroketten mit Sauerkraut und Pilzen, Barszcz  z uszkami (Rote-Bete-Suppe mit kleinen Teigtaschen), Pierogi ruskie Rollmops, Matjes, gebratener Fisch, Fisch in Sülze, traditioneller Gemüsesalat und Kompott. Die gemeinsame Mahlzeit bot einen ausgezeichneten Anlass, sich über kulturelle Traditionen auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und Ideen für zukünftige Projekte zu entwickeln. Gegen 21 Uhr begann das Konzert des polnischen Musikers Hubert Szczęsny, der bereits im Vorjahr in Schwerin große Begeisterung auslöste. Mit seiner unverwechselbaren Stimme, seiner Gitarre und seinem facettenreichen Stil zwischen World Music, Blues und Folk schuf er erneut eine besondere Atmosphäre. Hubert präsentierte viele Lieder auf Polnisch, was beim Publikum auf große Resonanz stieß. Besonders schön war die spontane Beteiligung der Kinder, die sich zu ihm setzten, mitsangen und mitspielten. Einige Gäste wünschten sich enthusiastisch polnisch-ukrainische Klassiker wie „Hej sokoły“, doch der Abend blieb dank des Programms und der ruhigen Reaktionen der meisten Teilnehmenden weiterhin harmonisch und stimmungsvoll. Nach dem Konzert blieb noch Zeit für anregende Gespräche, den Austausch über die Eindrücke des Tages und neue Pläne für die kommenden Monate. Die Atmosphäre war herzlich und vertraut – ein gelungener Abschluss eines rundum erfüllten deutsch-polnischen Begegnungstages. Die Weihnachtsfeier in Prerow war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie kultureller Austausch und persönliches Miteinander Brücken schlagen können.

 

Lesung & Gespräch im Kulturspeicher Ueckermünde: „Grenzraum –Begegnungen an Oder und Neiße“

Ueckermünde, 20. November – Kurz nach 19 Uhr füllte sich der Kulturspeicher Ueckermünde mit Gästen, die zur Lesung und zum Gespräch mit der Journalistin und Autorin Beatrix Flatt gekommen waren. Die Veranstaltung, gefördert durch die Friedrich-Ebert-Stiftung, bot beeindruckende Einblicke in Flatts neues Buch „Grenzraum: Begegnungen an Oder und Neiße“ und in die Geschichten der Menschen, die entlang der deutsch-polnischen Grenze leben.

Einen Sommer lang war Flatt mit dem Fahrrad entlang von Oder und Neiße unterwegs – 468 Kilometer Grenzraum, geprägt von Begegnungen, die von nachbarschaftlicher Offenheit, persönlichem Engagement und dem Wunsch nach einem eng verflochtenen Miteinander erzählen. In einem lebendigen Bildervortrag zeigte die Autorin zahlreiche Bilder ihrer Reise und erzählte von den Menschen, die sie getroffen hat: Menschen aus beiden Ländern, die im Grenzraum leben, arbeiten und ihn aktiv gestalten. Im Gespräch wurde deutlich, was Flatt zur neuen Expedition motivierte: Nach ihrem Projekt zum „Grünen Band“ wollte sie erneut eine Grenze erfahrbar machen – diesmal jene zwischen Deutschland und Polen, deren Alltag längst von Austausch und Zusammenarbeit geprägt ist. Sie berichtete von den intensiven Vorbereitungen für ihre sechswöchige Radreise, bei der sie nicht nur geografische, sondern auch sprachliche Grenzen überwand. Flatt sprach über die Bedeutung von Mehrsprachigkeit und darüber, wie sehr sprachliche Kompetenz zu einer echten Verständigung beiträgt – gerade in Grenzregionen. Sie verwies dabei auch auf Akteure wie Gunnar Hille und KoKoPol, die grenzübergreifende Kommunikations- und Kulturprojekte fördern, sowie auf das Polenmobil, das mit jährlich rund 183 Einsätzen wertvolle Vermittlungsarbeit leistet. Die Autorin berichtete von besonderen Orten wie dem Dreiländereck, dem UNESCO-Park Bad Muskau und Kunstprojekten im öffentlichen Raum, etwa in Frankfurt (Oder). Auch das Leben der Menschen am Stettiner Haff wurde lebendig: darunter eine Frau, die humorvoll berichtete, sie übe „vom Bestatterhandwerk bis zur Gastronomie wirklich jeden Beruf“ aus. Flatt stellte engagierte Persönlichkeiten vor, etwa Dana Jesswein, die sich „Grenzländerin“ nennt, oder Monika Szymanik, die die deutsche Geschichte Stettins (Szczecins) neu zugänglich macht. Trotz wachsender nationalistischer Tendenzen – sowohl in Deutschland als auch in Polen – habe sie bewusst die vielen positiven Beispiele des Miteinanders sichtbar machen wollen, so Flatt: Menschen, die Europa leben, statt es skeptisch zu betrachten.

Zum Abschluss hob sie eine Begegnung besonders hervor: die Geschichte von Lidia Fiedorowicz, die ihre Heimat verlassen musste und im Haus von deutschen Vertriebenen lebt und die diesen komplexen Teil der Vergangenheit mit Offenheit und Respekt weiterträgt.

Der Abend bot damit nicht nur literarische Einblicke, sondern wurde zu einem eindrucksvollen Plädoyer für Verständigung, gelebte Nachbarschaft und eine gemeinsame europäische Zukunft.

Wir laden Sie herzlich zu zwei besonderen Lesungen mit der Autorin Karolina Kuszyk ein:

„In den Häusern der anderen. Spuren deutscher Vergangenheit in Westpolen“

Karolina Kuszyk geht in ihrem Buch den Spuren deutscher Alltagsgegenstände nach, die nach 1945 in die polnischen West- und Nordgebiete gelangten. Möbel, Geschirr, Bücher, Fotos – „poniemieckie“ Dinge, wie man sie in Polen nennt. Zunächst galten sie als fremd, später als praktisch und schließlich als Teil des eigenen Familienerbes.

Die Autorin erzählt von Menschen, die mit diesen Gegenständen leben, und beleuchtet die ambivalente Beziehung der Polen zum deutschen Erbe – zwischen Distanz, Pragmatismus und Zuneigung.

Termine und Orte:

📍 Dienstag, 7. Oktober 2025

Internationales Haus, Saal, Ziegenmarkt 4, 19055 Schwerin

Beginn: 19:00 Uhr

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📍 Mittwoch, 8. Oktober 2025

Villa Mariola Brandt (Steuerberaterin), St.-Georg-Str. 103, 18055 Rostock

Beginn: 18:30 Uhr

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Über die Autorin:

Karolina Kuszyk (geb. 1977) ist Schriftstellerin, Journalistin und Literaturübersetzerin. Sie publiziert in deutscher und polnischer Sprache (u. a. bei Zeit Online und Deutschlandradio Kultur) und unterrichtet seit 2014 literarische Übersetzung an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).