Euroregion Pomerania ehrt herausragendes Engagement für deutsch-polnische Verständigung

Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung der Euroregion Pomerania im Löwenschen Saal des Stralsunder Rathauses wurde Dr. Marek Fiałek, Vorsitzender der DPG in MV, mit dem Pomerania-Preis 2025 ausgezeichnet.

Die Ehrung würdigt sein langjähriges und außergewöhnliches Engagement für den kulturellen Austausch, die Bildungszusammenarbeit und die deutsch-polnischen Beziehungen. Dr. Fiałek prägt seit vielen Jahren die deutsch-polnische Kultur- und Bildungslandschaft maßgeblich. Nach akademischen Stationen in Hannover und Berlin lehrt er seit 2003 Polnisch an deutschen Hochschulen und verbindet Sprachvermittlung mit kulturellem Dialog und gelebter Nachbarschaft. Besondere Anerkennung findet sein Wirken als Initiator und Mitgestalter zahlreicher deutsch-polnischer Projekte. Hervorzuheben ist das Kulturfestival polenmARkT, das heute zu den größten Plattformen polnischer Kultur außerhalb Polens zählt. Durch enge Kooperationen mit kulturellen Institutionen in Szczecin, Grodno und mit zahlreichen Künstler*innen erhielt das Festival eine starke grenzüberschreitende Ausstrahlung.

Darüber hinaus engagiert sich Dr. Fiałek als Jurymitglied des Szczecin Film Festivals, als Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Mecklenburg-Vorpommern sowie als Wiederbeleber der Pommernkonferenz. In der Laudatio wurde er als „Brückenbauer mit unerschütterlicher Geduld“ gewürdigt – als jemand, der Begegnungen ermöglicht, Ideen verwirklicht und Menschen verbindet.

Der Pomerania-Preis 2025 ehrt damit nicht nur eine einzelne Persönlichkeit, sondern auch ihre Vision eines offenen, dialogorientierten und im Alltag gelebten Europas.

Ein stimmungsvoller Tag im Zeichen der deutsch-polnischen Freundschaft

Unsere diesjährige deutsch-polnische Weihnachtsfeier fand erneut im malerischen Ostseebad Prerow statt und bot einen wunderbaren Rahmen, um die gewachsene Partnerschaft zwischen unseren Ländern zu feiern und weiter zu stärken. Rund 40 Mitglieder und Freund*innen der DPG MV kamen zusammen, um einen abwechslungsreichen und warmherzigen Adventstag miteinander zu verbringen. Der winterliche Nachmittag begann um 14 Uhr mit einer traditionellen Kaffeetafel. In gemütlicher Atmosphäre genossen die Gäste süße Leckereien und kamen miteinander ins Gespräch. Für besondere Freude sorgte der Besuch des Weihnachtsmanns bzw. der Weihnachtsfrau, der oder die kleine wie große Gäste mit Geschenken überraschte. Wer kein Lied oder Gedicht vortragen konnte, wurde mit einem sportlichen Beitrag Teil des Programms – sehr zur Unterhaltung aller Anwesenden. Nach dem Kaffeetrinken führte ein erholsamer Spaziergang zur Seemannskirche in Prerow. Dort erwartete die Gruppe um 17 Uhr ein stimmungsvolles Luciafest. Die feierliche Prozession – der traditionelle Luciatåg – mit weiß gekleideten Sängerinnen und Sängern, angeführt von einer Lucia mit Kerzenkranz, erfüllte die Kirche mit glockenhellem Gesang und warmem Kerzenschein. Diese eindrucksvolle schwedische Adventstradition, die an die Heilige Lucia von Syrakus erinnert, berührte viele Teilnehmende und schuf einen besinnlichen Moment im Vorweihnachtstrubel. Gegen 20 Uhr begann das gemeinsame Weihnachtsessen im Waldschlösschen, das in diesem Jahr durch ausgewählte polnische Speisen bereichert wurde. Serviert wurden unter anderem: Kroketten mit Sauerkraut und Pilzen, Barszcz  z uszkami (Rote-Bete-Suppe mit kleinen Teigtaschen), Pierogi ruskie Rollmops, Matjes, gebratener Fisch, Fisch in Sülze, traditioneller Gemüsesalat und Kompott. Die gemeinsame Mahlzeit bot einen ausgezeichneten Anlass, sich über kulturelle Traditionen auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und Ideen für zukünftige Projekte zu entwickeln. Gegen 21 Uhr begann das Konzert des polnischen Musikers Hubert Szczęsny, der bereits im Vorjahr in Schwerin große Begeisterung auslöste. Mit seiner unverwechselbaren Stimme, seiner Gitarre und seinem facettenreichen Stil zwischen World Music, Blues und Folk schuf er erneut eine besondere Atmosphäre. Hubert präsentierte viele Lieder auf Polnisch, was beim Publikum auf große Resonanz stieß. Besonders schön war die spontane Beteiligung der Kinder, die sich zu ihm setzten, mitsangen und mitspielten. Einige Gäste wünschten sich enthusiastisch polnisch-ukrainische Klassiker wie „Hej sokoły“, doch der Abend blieb dank des Programms und der ruhigen Reaktionen der meisten Teilnehmenden weiterhin harmonisch und stimmungsvoll. Nach dem Konzert blieb noch Zeit für anregende Gespräche, den Austausch über die Eindrücke des Tages und neue Pläne für die kommenden Monate. Die Atmosphäre war herzlich und vertraut – ein gelungener Abschluss eines rundum erfüllten deutsch-polnischen Begegnungstages. Die Weihnachtsfeier in Prerow war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie kultureller Austausch und persönliches Miteinander Brücken schlagen können.

 

Lesung & Gespräch im Kulturspeicher Ueckermünde: „Grenzraum –Begegnungen an Oder und Neiße“

Ueckermünde, 20. November – Kurz nach 19 Uhr füllte sich der Kulturspeicher Ueckermünde mit Gästen, die zur Lesung und zum Gespräch mit der Journalistin und Autorin Beatrix Flatt gekommen waren. Die Veranstaltung, gefördert durch die Friedrich-Ebert-Stiftung, bot beeindruckende Einblicke in Flatts neues Buch „Grenzraum: Begegnungen an Oder und Neiße“ und in die Geschichten der Menschen, die entlang der deutsch-polnischen Grenze leben.

Einen Sommer lang war Flatt mit dem Fahrrad entlang von Oder und Neiße unterwegs – 468 Kilometer Grenzraum, geprägt von Begegnungen, die von nachbarschaftlicher Offenheit, persönlichem Engagement und dem Wunsch nach einem eng verflochtenen Miteinander erzählen. In einem lebendigen Bildervortrag zeigte die Autorin zahlreiche Bilder ihrer Reise und erzählte von den Menschen, die sie getroffen hat: Menschen aus beiden Ländern, die im Grenzraum leben, arbeiten und ihn aktiv gestalten. Im Gespräch wurde deutlich, was Flatt zur neuen Expedition motivierte: Nach ihrem Projekt zum „Grünen Band“ wollte sie erneut eine Grenze erfahrbar machen – diesmal jene zwischen Deutschland und Polen, deren Alltag längst von Austausch und Zusammenarbeit geprägt ist. Sie berichtete von den intensiven Vorbereitungen für ihre sechswöchige Radreise, bei der sie nicht nur geografische, sondern auch sprachliche Grenzen überwand. Flatt sprach über die Bedeutung von Mehrsprachigkeit und darüber, wie sehr sprachliche Kompetenz zu einer echten Verständigung beiträgt – gerade in Grenzregionen. Sie verwies dabei auch auf Akteure wie Gunnar Hille und KoKoPol, die grenzübergreifende Kommunikations- und Kulturprojekte fördern, sowie auf das Polenmobil, das mit jährlich rund 183 Einsätzen wertvolle Vermittlungsarbeit leistet. Die Autorin berichtete von besonderen Orten wie dem Dreiländereck, dem UNESCO-Park Bad Muskau und Kunstprojekten im öffentlichen Raum, etwa in Frankfurt (Oder). Auch das Leben der Menschen am Stettiner Haff wurde lebendig: darunter eine Frau, die humorvoll berichtete, sie übe „vom Bestatterhandwerk bis zur Gastronomie wirklich jeden Beruf“ aus. Flatt stellte engagierte Persönlichkeiten vor, etwa Dana Jesswein, die sich „Grenzländerin“ nennt, oder Monika Szymanik, die die deutsche Geschichte Stettins (Szczecins) neu zugänglich macht. Trotz wachsender nationalistischer Tendenzen – sowohl in Deutschland als auch in Polen – habe sie bewusst die vielen positiven Beispiele des Miteinanders sichtbar machen wollen, so Flatt: Menschen, die Europa leben, statt es skeptisch zu betrachten.

Zum Abschluss hob sie eine Begegnung besonders hervor: die Geschichte von Lidia Fiedorowicz, die ihre Heimat verlassen musste und im Haus von deutschen Vertriebenen lebt und die diesen komplexen Teil der Vergangenheit mit Offenheit und Respekt weiterträgt.

Der Abend bot damit nicht nur literarische Einblicke, sondern wurde zu einem eindrucksvollen Plädoyer für Verständigung, gelebte Nachbarschaft und eine gemeinsame europäische Zukunft.